Q Lab: „Wir wollen unsere Kultur weiterentwickeln“

Im Lufthansa Aviation Center gibt es seit kurzem das Q Lab, eine Fläche zum kollaborativen, agilen Arbeiten. Im Interview spricht Lufthansa Personalvorstand Bettina Volkens über Sinn und Zweck dieser Bürofläche, über den New Workspace und darüber, wie es ist, aus dem eigenen Büro geworfen zu werden.

 

Eine große Holztribüne mit Platz für über 40 Zuhörer, knubbelige Hocker, eine Auswahl an Stühlen, ein großes gelbes Sofa, Tische zum Rollen, zum Ziehen, zum Verstellen. Ein Rückzugsraum mit modernen Ohrensesseln und drei offene Meeting-Räume, die einst als Einzelbüros für Personalvorstand und Directs reserviert waren. Der Flügel von Lufthansa Personalvorstand Bettina Volkens ist jetzt mobil, er ist agil und er ist vor allem eines: offen für alle. Q Lab, so heißt die neue Bürofläche im sechsten Stock des Lufthansa Headquarters am Frankfurter Flughafen. Q ist dabei die Kurzform von QUEST: „Quality and easy Solutions tested“. Ziel der Fläche ist die abteilungsübergreifende, agile Zusammenarbeit.  Lesen Sie im Interview mit Bettina Volkens, was hinter dieser neuen Form der Bürofläche steckt, wieso das Konzept New Workspace damit keinesfalls abgelöst ist und wie es sich anfühlt, aus dem eigenen Büro geworfen zu werden.

Frau Volkens, zu Gunsten des Q Labs finden jetzt auch in Ihrem Büro Workshops statt. Fiel es Ihnen schwer, auf das eigene Chefbüro zu verzichten?

Ich liebe mein eigenes Büro. Das war mir immer viel wichtiger als ein großes Auto. Dass mein Büro jetzt für alle da ist, daran muss ich mich erst gewöhnen. Vor kurzem war „mein“ Raum ab 13 Uhr gebucht, da ich laut Kalender um 12:30 einen Termin hatte. Dieser hat sich nach hinten verschoben, aber die Workshop-Teilnehmer standen vor der Tür und ich habe meinen Schreibtisch geräumt. Das war ungewohnt und das fällt mir auch nicht leicht. Ich glaube aber, dass es wichtig ist.

Dass Sie Ihr Büro hergeben? Oder dass es Flächen wie das Q Lab gibt?

Beides! Gerade in Zeiten der Automatisierung und Digitalisierung ist es von unglaublicher hoher Bedeutung, dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Arbeitsweisen zusammenkommen. Persönliche Kommunikation, kreatives Arbeiten – genau das sollen die Räume hier ausstrahlen. Wir wollen die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit erleichtern und den Matrix-Gedanken leben, jenseits und unabhängig von Linienzugehörigkeit und formaler Stellung. Wir wollen testen, wie agile Projektarbeit der Zukunft aussehen kann. Wir wollen eine Reduzierung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Business Units und eine gemeinsame Priorisierung existierender Ressourcen erreichen. Wir wollen mehr Sichtbarkeit für wichtige strategische Themen, Experten und Menschen möglich machen. Kurz: Wir wollen unsere Kultur weiterentwickeln.

Vor gut fünf Jahren haben Sie bei Lufthansa den New Workspace eingeführt, das Großraumbüro ohne fest zugewiesenen Arbeitsplatz. Löst das Q Lab dieses Konzept nun ab?

New Workspace ist ein unheimlich wichtiger Schritt und bleibt weiterhin der Standard, den wir anstreben. Wir sehen aber, dass es eine Ergänzung geben muss und dass teilweise Räume und Ausstattung zum flexiblen, agilen Arbeiten fehlen. Außerdem berichten uns die Kollegen, dass es manchmal an Rückzugsräumen mangelt. Wir werden uns die Erfahrungen der Nutzer ganz genau anschauen und die Konzepte behutsam weiterentwickeln. Wir müssen uns so aufstellen, dass unsere Mitarbeiter gerne hier herkommen, dass sie gerne hier arbeiten und dass sie die Lufthansa Group als attraktiven Arbeitgeber sehen. Ich glaube, dass der Arbeitsplatz immer auch Ausdruck einer bestimmten Kultur ist. Wir wollen im Team arbeiten. Ich will, dass die Kollegen mitmachen und mitgestalten und dass sie dann auch schnell und zügig umsetzen. Wir wollen keine Konzepte für die Schublade, sondern für die Praxis entwickeln. Das steckt hinter dem agilen Ansatz. Die Räume sind nur Mittel zum Zweck.

Vielen Dank für das Gespräch!

Viel Raum für kreatives Arbeiten.
Im Workshop: Teamarbeit im neuen Ambiente.
Alte Idee in neuem Gewand: die Telefonzelle
Entspannung oder Sparring? Der Raum eignet sich für beides.