Silvester im russischen Schneesturm: Lufthansa Airbus A340-Kapitän Sigurd Behrens im Interview

Lufthansa Kapitän Sigurd Behrens ist schon oft an Weihnachten und Neujahr geflogen. An eine Silvesternacht erinnert er sich ganz besonders, da hat die Cockpit-Crew den Jahreswechsel im Schneesturm über Russland glatt verpasst

Herr Behrens, Weihnachten besinnlich mit der Familie unterm Tannenbaum, Silvester feuchtfröhlich im Freundeskreis mit Feuerwerk – so stellen sich doch die meisten ihre Feiertage vor. Als Lufthansa Pilot ist dieser Wunsch nicht immer Programm. Stört Sie das?


Ich bin bestimmt 20 Jahre lang immer über die Feiertage geflogen. In diesem Jahr ist das zwar nicht der Fall, richtig frei habe ich aber trotzdem nicht. An Weihnachten und Silvester übernehme ich die 24-Stunden-Rufbereitschaft unserer Flotte und bin zwischen den Feiertagen auch im Büro am Frankfurter Flughafen. Früher ohne Familie war es mir nicht so wichtig, an den Feiertagen zu Hause zu sein. Wenn es nicht klappt, dann ist das aber auch kein Beinbruch. Die fliegenden Kollegen und ich, wir wussten das bei der Berufswahl und sind ja auch nicht allein mit diesem „Schicksal“. Auch andere Berufsgruppen wie Ärzte, Krankenpfleger, Fluglotsen oder Polizisten arbeiten an den Feiertagen. Und zur Not, feiert man Weihnachten einfach vor oder nach, auch das haben wir schon gemacht.

Aber fernab von Freunden und Familie zu feiern, ist das nicht noch mal etwas Anderes?

Man gewöhnt sich daran, finde ich. Und – so lange es der Platz im Flieger zulässt, können wir unseren Partner über die Feiertage grundsätzlich kostenlos als Begleitung mitnehmen. Je nach Zielort verbringt man dann auch mehr oder weniger viel Zeit im Layover, mit etwas Glück in einer attraktiven Stadt.

Haben Sie schon einmal den Jahreswechsel um 0 Uhr in der Luft verbracht?

Im Winter vor zehn Jahren sind wir am späten Silvesterabend nach Moskau geflogen. Die Wettervorhersage war alles andere als festlich: schwerer Schneefall und Sturm. Wie immer in solchen Fällen hatten wir eine Extra-Portion Kerosin im Tank, denn Moskau-Domodedovo wurde wegen eines Schneesturmes vorübergehend geschlossen. Als der Flughafen auch einige Warteschleifen und etwa 45 Minuten später von der Flugsicherung noch immer nicht wieder zum Anflug freigegeben worden war, entschieden wir nach Sankt Petersburg auszuweichen. Nach einigem Hin- und Her per Funk mit der russischen Flugaufsicht bekamen wir schließlich die Ge-nehmigung und nahmen Kurs Richtung Nordwesten. Mitten im Reiseflug wünschte mir der Co-Pilot dann auf einmal ein „Frohes Neues Jahr!“ Mittlerweile war es 2 Uhr morgens, im Wintersturm über Russland war der Jahreswechsel einfach unterge-gangen. Leicht verspätet haben wir dann auch den Passagieren alles Gute gewünscht.

Gibt es auch unvergessliche Momente mit Lufthansa am Boden?

Auf jeden Fall: Zum einen feiern wir Weihnachten oder Silvester am Zielort oft mit der gesamten Crew. Der Kapitän organisiert ein gemeinsames Abendessen, das vom Arbeitgeber bezuschusst wird. Einmal wurden wir an Silvester in Japan mit der gesamten Crew in einen Tempel eingeladen, auch in Malabo in Äquatorialguinea und Abuja in Nigeria habe ich schon mal Silvester verbracht. Als junger Senior First Officer habe ich Weihnachten einmal acht Tage in Bangkok verbracht. Vom scharfen thailändischen Essen im Kreise der Kollegen am 24. Dezember konnte ich nur einen Löffel zu mir nehmen. Mein Weihnachtessen habe ich anschließend in einer westlichen Schnellimbiss-Kette geordert. Egal wo man zu Heiligabend und Silvester auch ist oder sein muss, es kommt immer drauf an, was man persönlich draus macht. Und dank Video-Telefonie rücken heutzutage sogar Freunde und Familie in Deutschland ein großes Stück näher, wenn man mal nicht zu Hause feiern kann.